Ohne Beratung geht es nicht!

Deutsche Gesellschaft für Beratung (DGfB) bezieht Position
Menschen sollen leistungsfähig und erfolgreich sein, zärtliche Partner_innen, liebevolle und kompetente Eltern, schön und schlank, gesund, gut vernetzt und dabei auch stets gut gelaunt. Steigende Anforderungen im Berufsleben, aber auch im privaten und familiären Umfeld, führen in die Überforderung, wenn sie verinnerlicht und zu unhinterfragten Ansprüchen an sich selbst gemacht werden. In den Selbstansprüchen spiegeln (reflektieren) sich allzu häufig unreflektierte Ansprüche einer Gesellschaft, die ständige Selbstoptimierung einfordert (Reflexive Gesellschaft).
Professionelle Beraterinnen und Berater begegnen in der Praxis zunehmend Anzeichen der Überforderung: Eine Welt beschleunigten gesellschaftlichen Wandels konfrontiert alle - einzelne Menschen genauso wie Familien, Vereinigungen, Organisationen und Unternehmen - mit steigenden Anforderungen und Selbstansprüchen und verlangt von ihnen:
 sich immer wieder mit sich selbst, ihren Beziehungen und ihrer Position in der Gesellschaft auseinander zu setzen,
 gesellschaftliche Entwicklungen zu beobachten, sich zu ihnen zu verhalten und
 Konsequenzen für das eigene Leben und Handeln zu ziehen.
Angesichts dieser komplexen Herausforderungen nehmen Personen und Organisationen mittlerweile so oft und so vielfältig die Dienstleistung „Beratung" in Anspruch, dass eine beratungslose Gesellschaft unvorstellbar geworden ist: Beratung ist gängige Praxis und feste Institution in allen Lebens- und Arbeitsbereichen.
Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Beratung (DGfB), die über 30.000 Beraterinnen und Berater in 29 Verbänden unter ihrem Dach versammelt, muss professionelle Beratung deshalb mehr sein als rein informatorisches „Rat-Geben". Sie muss Ratsuchenden helfen, ihre sozialen Bezüge und verinnerlichten Ansprüche kritisch zu prüfen und Konsequenzen für ihre Selbstgestaltung zu entwickeln. Sie nimmt - wissenschaftlich fundiert und in professioneller Weise - die gesellschaftlichen Zusammenhänge und politischen Diskurse in den Blick und stellt unangemessene Ansprüche in Frage. Dabei ist sie allein den Menschen- und Grundrechten sowie den Erfordernissen von Gerechtigkeit und Partizipation verpflichtet.
Orientierung und Rat Suchende dürfen hohe Ansprüche an professionelle Beratung stellen. Die Deutsche Gesellschaft für Beratung (DGfB) vernetzt deshalb Akteure aus Praxis, Ausbildung, Lehre und Forschung mit dem Ziel, Beratung kontinuierlich weiterzuentwickeln und Ratsuchenden professionelle, verlässliche und unabhängige Hilfe beim Umgang mit den Ansprüchen der reflexiven Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. Die Instrumentalisierung von Beratung zur Durchsetzung einseitiger Interessen lehnt sie ab.
Die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Beratung (DGfB) haben diese Haltung bei ihrer Mitgliederversammlung im November diesen Jahres in Köln bekräftigt und im Positionspapier „Beratung in der reflexiven Gesellschaft" dokumentiert. Das Positionspapier kann von der Website der DGfB www.dachverband-beratung.de heruntergeladen werden.
Pressekontakt:
Stephan Schmitz
Deutsche Gesellschaft für Beratung e.V. (DGfB) Melatengürtel 125a,
50825 Köln
Tel.: 0221-7522058
s.schmitz@dgfb.info
www.dgfb.info

Professionelle Berater/-innen brauchen mehr als Kompetenz

Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Beratung (DGfB) und der Universität zu Köln fordert ethische Fundierung professioneller Beratung
Ca. 85 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Beratungswissenschaft, -weiterbildung und -praxis folgten der Einladung der Deutschen Gesellschaft für Beratung (DGfB) und des Arbeitsbereichs „Beratungsforschung" der Universität zu Köln am 20. November zu einer Fachkonferenz über „Beratungskompetenz und mehr." Mehr Interessierte konnten aus Raumgründen nicht teilnehmen.
Professionelle Beratung ist in allen Lebens- und Arbeitsbereichen unverzichtbar geworden. Ratsuchende benötigen qualifizierte Beraterinnen und Berater. Im Vordergrund der Diskussion um die Qualifizierung professioneller Berater/-innen steht aktuell die Frage, über welche Kompetenzen Berater/-innen verfügen sollen und wie diese nachgewiesen werden können.
Ausgangspunkte der Konferenz bildeten das Kompetenzprofil des „Nationalen Forums für Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung" (nfb) und die damit verbundenen Verfahren der Kompetenzbilanzierung, vorgestellt durch Prof. Dr. Christiane Schiersmann (Universität Heidelberg).
Mit ihrem Beitrag „Kompetenzbilanzierung und Beratung bei der Arbeitsintegration von Flüchtlingen" schlugen Dr. Barbara Weißbach (IUK Institut für sozialwissenschaftliche Technikforschung) und Prof. Dr. Hans-Jürgen Weißbach (Frankfurt University of Applied Sciences) die Brücke zur gesellschaftlichen Aktualität. Nicht nur Schul- und Ausbildungsabschlüsse, auch die Biografie und der kulturelle Hintergrund eines Menschen prägen seine Kompetenzen. Deshalb kann die Kompetenzen eines Menschen nur erfassen, wer sich mit ihrer Lebensgeschichte, ihren Erzählungen und kulturellen Werten intensiv befasst.
Am Nachmittag stand das Thema „Beratungshaltung" im Vordergrund.
Prof. Dr. Hans-Jürgen Seel (Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm, DGfB-Vorstand) stellte die Frage nach der ethischen Dimension professioneller Beratungsqualifizierung: „Was ist ‚Beratungshaltung‘ und wie könnten entsprechende Kompetenzen aussehen?" - Systematisch und Schritt für Schritt entfaltete er, wie die persönliche Haltung von Beraterinnen und Beratern den Verlauf und die Ergebnisse einer Beratung beeinflussen - selbst dort, wo Berater/-innen sich dessen nicht bewusst sind. Die Reflexion der eigenen Haltungen und Werte und die Entwicklung ethischer Kompetenz gehören deshalb unverzichtbar zur Qualifizierung professioneller Berater/-innen.
Dr. Dirk Rohr (Universität zu Köln), Leiter des Arbeitsbereichs „Beratungsforschung" an der Kölner Universität und Mitveranstalter der Konferenz, zeigte in einem vielseitigen, von Beispielen aus Beratungswissenschaft, -praxis und -lehre sprühenden Vortrag auf, wie sich Haltungen in (Beratungs- )Interventionen verstecken oder zeigen, und wie diese erforscht, gelehrt und erlernt werden können.
Die Konferenz war geprägt von angeregter Diskussion und gemeinsamer Reflexion. Die Beiträge und Diskussionen werden in Kürze als Buch publiziert. Die DGfB macht sich im kommenden Jahr gemeinsam mit der Arbeitsgruppe „Beratungsforschung" der Universität zu Köln daran, den Qualifikationsrahmen „Beratung" für den Deutschen Qualifikationsrahmen
Pressekontakt:
Stephan Schmitz
Deutsche Gesellschaft für Beratung e.V. (DGfB) Melatengürtel 125a,
50825 Köln
Tel.: 0221-7522058
s.schmitz@dgfb.info
www.dgfb.info

Pressemitteilung Köln, den 01.12.2015
(www.deutscherqualifikationsrahmen.de) zu erstellen, in dem die Kompetenzen beschrieben sind, über die professionelle Beraterinnen und Berater verfügen sollen. Der Qualifikationsrahmen soll dazu beitragen, dass Ratsuchende in Zukunft problemlos auf verlässliche Angebote professioneller und verantwortungsbewusster Beratung zugreifen können.

Die Deutsche Gesellschaft für Beratung versteht sich als Sprachrohr professioneller Beratung. Sie vernetzt und repräsentiert Praktiker/innen, Ausbilder/innen und Forscher/innen. Die Positionen der DGfB werden als orientierende Expertise abgerufen und verarbeitet von Beratungsklient/innen, Fachöffentlichkeit, allgemeiner Öffentlichkeit sowie all jenen, die gesellschaftlich handeln und dabei Unterstützung brauchen.
Die Deutsche Gesellschaft für Beratung e.V. (DGfB) gründete sich im Jahr 2004 - als Ergebnis eines offenen Koordinierungsprozesses diverser Beratungsakteure: Von der Berufsberatung bis zur Erziehungsberatung, von der Supervision bis zur Eheberatung, von der Suchtberatung bis zur betrieblichen Sozialberatung, vom Coaching bis zur Organisationsberatung. Als Dachverband von derzeit 29 Fach- und Berufsverbänden repräsentiert sie heute über 30.000 aktive Beraterinnen und Berater in Deutschland.
Die DGfB ist so zum führenden Verband für professionelle Beratung im deutschen Sprachraum geworden.
Der Arbeitsbereich Beratungsforschung ist eine neue, eigenständige Lehr- und Forschungseinrichtung der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Mit vier hauptamtlichen Wissenschaftler_innen verantwortet er zwei Module sowie Forschungsprojekte z.Z. in den Bereichen„Beratung lehren", „Entwicklung einer Genogramm-Software" sowie „videogestützte Lehre".
Das Konzept seiner Lehrveranstaltungen geht von einem praxisorientierten Ansatz aus, d.h. die Studierenden werden „live" beraten in Bezug zu Situationen aus Praktika, zum eigenen Studium, zur Berufswahlmotivation oder zu den „psycho-sozialen Basis-kompetenzen". Diese Live-Beratungen werden Gegenstand einer Theorie-Reflexion. Insofern haben die Seminare einen experimentellen Charakter. Die Studierenden und die Lehrenden verstehen sich als Forschende, indem sie immer wieder die Meta-perspektive einnehmen, im Reflecting Team die Pro-zesse verstehen, Videoaufzeichnungen analysieren und Theorieansätze befragen.